Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) war der zweitälteste Sohn des großen Johann Sebastian Bach und, nach seinem Vater, der mit Abstand bedeutendste Komponist der Musikerfamilie Bach. In der von ihm maßgeblich mitgestalteten Epoche des musikalischen Rokoko, die, etwa von 1750 bis 1780, den Übergang vom Barock zur Wiener Klassik markiert, erlangte er zeitweise einen derart großen Bekanntheitsgrad, dass man ihn - und nicht seinen Vater - meinte, wenn von "Bach" die Rede war.
Sein Hauptaugenmerk galt zunächst dem Klavier, für das er, unter anderem als langjähriger Hofcompositeur Friedrichs des Großen, über einhundert Solowerke in unterschiedlichen Formen komponierte. 1753 veröffentlichte CPE Bach mit dem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen ein Lehrwerk, das auch heute noch zu den bedeutendsten theoretischen Schriften über Musik gezählt wird. 1768 folgte Bach Georg Philipp Telemann als Musikdirektor und Kantor am Johaneum in Hamburg nach und wandte sich in der Folge vermehrt der Kirchenmusik zu. Unter anderem schuf er in seinen letzten zwanzig Lebensjahren rund siebzig Kantaten, zahlreiche Motetten und über zwanzig Passionsvertonungen.
Einige Musikwissenschaftler sehen in CPE Bach eine Art von "Fackelträger in dunkler Nacht", dessen Anteil daran, dass die europäische Musik während der Epoche der Vorklassik nicht gänzlich verflachte, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Denn die zeitgleich stattfindende Aufklärung brachte eine grundlegende Veeinfachung der musikalischen Formen mit sich. Gefragt waren mit einem Mal nicht mehr in erster Linie große Kunstwerke, die hehre Ideale verwirklichten und möglichst der reinen, der göttlichen Form nahekommen sollten, sondern Gebrauchsmusik, die auch von Laien und Dilettanten (damals noch kein despektierliches Wort) gespielt und gesungen werden konnte.
CPE Bach gelang es jedoch, auch in dieser Zeit die kompositorischen Ideale seines Vaters sowie seines Patenonkels Telemann weiterzutransportieren. Darauf weist auch ein berühmt gewordenes Zitat Joseph Haydns, des Vaters der Wiener Klassik, hin: "Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe."